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Abschied in Corona-Zeiten

Sterben und Trauer in Corona-Zeiten:

Nähe schaffen trotz Kontaktbeschränkung – einen Abschied in Würde gestalten!

 

„Sterben ist nicht vorrangig ein medizinisches Ereignis und wir müssen damit aufhören, es als solches zu behandeln. Es ist vielmehr ein Thema von Beziehungen. Beziehung zu uns selbst, zu denen, die wir lieben. Zu Gott oder wie auch immer unser Bild von der letztendlichen Güte im Leben aussieht.“ Frank Ostaseski, Zen-Hospice San Francisco

 

Und auch die Palliativmediziner sind sich einig: eine der größten Ängste am Lebensende ist die Einsamkeit. Wir Menschen sind soziale Wesen und als solche beziehungsabhängig. Wir brauchen andere Menschen!

 

Das, was Sterbende und ihre Angehörigen derzeit erleben, grenzt an seelische, emotionale, psychische Folter. Menschen sterben alleine – im Krankenhaus oder im Altersheim. Mit Corona oder ohne. Keiner darf da sein, um die Hand zu halten, um Erinnerungen auszutauschen, um etwas Unausgesprochenes zu klären, um noch einmal „du bist mir so wichtig“ oder „Pfiati“ zu sagen. Ein prägender Moment auch für die Hinterbliebenen.

 

Der Sterbende und seine Angehörige sind mit dem existentiellsten Lebensthema überhaupt konfrontiert und müssen akzeptieren, dass sie ihren Liebsten nicht beistehen können. „Unsere größte Hoffnung ist es, dass unsere Mutter wusste, dass wir nicht kommen durften! Und nicht „nicht wollten“, sagt eine betroffene Frau, deren Mutter alleine im Krankenhaus verstorben ist.

 

Aus der Sterbe- und Trauerforschung  weiß man längst, dass ein würdiger Abschied das Fundament für eine lebensfördernde Trauer ist. Fehlt dieser, kann es zu einer Unterbrechung bzw. sogar Abbruch des Trauerprozesses kommen und psychische Folgen haben.

 

Traditionelle und starke Trauerrituale werden unterbunden: das Waschen, Ankleiden, Aufbahren, Beerdigen, Anteilnahme durch Händedruck oder Umarmung, „Totenmahlele“….alles wird reglementiert und „auf Distanz gehalten“. Dabei ist es genau die Nähe, die Betroffene brauchen, um den Verlust eines geliebten Menschen  zu verarbeiten. Die Familie und Freunde sind die allerwichtigste Stütze! Sie helfen „auszuhalten“, „da-zu-sein“, „zu schweigen-zu weinen-zu schreien“ und unterstützen bei den alltäglichsten Dingen: Kochen, Waschen, einkaufen.

 

Eine Berührung oder ein kleines Lächeln können die Welt für einen Moment verändern!

 

„Im Moment beerdigen wir Menschlichkeit, Mitgefühl und Würde“ schreibt meine Kollegin Murielle Kälin von www.schlusslicht.ch. Ja, so ist es wohl! Die Würde im Sterben und die Würde im Abschied und der Trauer gibt es so nicht mehr.

 

Trauernde dürfen eines nicht vergessen: es gibt da eine innige Verbindung, die sie mit dem Verstorbenen im Leben hatten. Und die kann der Tod nicht nehmen! Ich ermutige alle, nicht hilflos und ohnmächtig zu bleiben und gemeinsam mit Familie und Freunden zu schauen, wie man trotz Kontaktbeschränkung Nähe schaffen kann:

  • Einen vertrauten Ort aufsuchen, an dem man gemeinsam schöne Momente verbracht hat
  • Vertraute Musik hören oder vertraute Gerüche riechen (das Lieblingsgericht des Sterbenden kochen)
  • Die eigene Stimme durch eine Sprachnachricht oder Anruf in das Sterbezimmer bringen.
  • Einen Brief schreiben oder ein Bild malen und in den Sarg legen
  • Einen Finger- oder Handabdruck vom Verstorbenen machen oder eine Haarlocke abschneiden. Damit kann ein „Begreifen“ des Unfassbaren auch aus der Ferne erleichtert werden.
  • Die Abschiedsfeier für einen späteren Moment vorbereiten (Musik, Texte, Abschiedsworte, wo wieder alle Freunde und Bekannte teilnehmen können.
  • Erinnerungen sammeln, Foto- oder Videocollage gestalten, und bei der Abschiedsfeier vortragen.
  • Lichterherz in der Leichenkapelle, indem jeder, der einzeln Abschied nimmt, eine Kerze um den Sarg herum entzündet und so seine Anteilnahme sichtbar macht und für eine besondere Stimmung sorgt.

Um nur einige Beispiele zu nennen. Der eigenen Kreativität und Willenskraft seien keine Grenzen gesetzt.

 

Holt euch Hilfe, wo immer es irgendwie möglich ist.

 

Die Zukunft wird es zeigen, wie sich das Erleben dieser besonderen Zeit auf unsere Sterbe- und Trauerkultur auswirken wird. Ich hoffe sehr, dass wir offener, aufrichtiger und menschlicher mit diesen Themen umgehen und sie ins Leben holen!

 

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„Im Leben der Vergänglichkeit begegnen“ Workshop (verschoben)

Workshop im Bildungshaus Kloster Neustift
Im Moment merken wir wohl alle: mit einem Mal wird uns plötzlich und ungefragt so Vieles genommen. Alles ist im Wandel. Das Sterben ist sehr präsent – und auch die Ängste dazu. In den meisten Situationen „nur“ vorübergehend. Was ist aber, wenn es dazu ein „für immer“ gibt? Wir haben keine andere Wahl, als zu akzeptieren, auszuhalten, uns anzupassen und bestenfalls „uns“ neu zu orientieren. Wie wäre es, den Tod nicht mehr nur als Niederlage zu sehen, sondern als guten Freund, der uns zeigt, wie wertvoll das Leben ist?
Im Workshop begegnen wir mit Feingefühl den berührenden Themen Vergänglichkeit, Sterben und Trauer. Verluste sind unweigerlich ein Teil in unserem Leben. Eine bewusste Auseinandersetzung damit kann uns viele Ängste nehmen, unsere Persönlichkeit stärken sowie eine Verankerung und Dankbarkeit im und für das Leben bringen.Der Workshop gibt den Raum, über die emotionalen und spirituellen Seiten in der Begegnung mit Tod und Trauer im Leben zu reflektieren und sich auszutauschen. Durch die Vermittlung von theoretischen Inhalten und kreativen Übungen soll die individuelle Auseinandersetzung erleichtert werden.
Der Kurs wurde mit 16 ECM-Punkten akkreditiert.
13.11.2020 – 14.11.2020 | 14:30 – 17:00

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Ansichtssache auf Rai Sender Bozen „Was kommt nach dem Tod?“

Was kommt nach dem Tod?

Immer wieder eine tiefe Erfahrung, darüber nachzudenken…..

Danke an Judith Bertagnolli für die Einladung ins Studio und die Teilnahme an diesem ergreifenden Interviews

„Was kommt nach dem Tod ? Ein weites, lichtes Feld? Der Himmel, wo von allem Schönem im Überfluss da ist? Gehen unsere unsterblichen Seelen ein in ein großes Ganzes? Es war so bereichernd, Euch in der Ansichtssache als Gäste zu haben: Danke Gabriela Mair Am Tinkhof , Prakash Ramachandran, Abdullah Takim und Agnes Innerhofer von der Caritas Hospizbewegung. #Ansichtsache Rai Südtirol.“

Podcast zum Nachhören
http://www.raibz.rai.it/feed.php?id=20

ansichtssache tod

 

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