Krisenbegleitung

Ein langer ProzeßSchmetterling

Als Krise bezeichnet man eine problematische,
mit einem Wendepunkt verknüpfte Entscheidungssituation.

Etwas „scheidet“, Etwas trennt sich, Etwas geht verloren. Und dieses „Etwas“ muss nicht nur der Tod sein. Es gibt viele andere, meist lebensbedrohliche Ereignisse wie z.B. eine Gewalterfahrung, der Verlust des eigenen Heims durch Brand oder eine Naturkatastrophe, der plötzliche Arbeitsplatzverlust, ein Lebensumbruch wie die Pensionierung oder das Aufgeben einer Beziehung, … Diese wirken derart stark auf die Psyche, dass normale Verarbeitungsfähigkeiten und natürliche Schutzmechanismen nicht mehr greifen.

Wenn wir mit einem Verlust konfrontiert werden, wenn wir uns von etwas für immer trennen oder verabschieden müssen, durchlaufen wir fünf Phasen, die unsere Psyche als Schutz benötigt, um die Krise bewältigen zu können:

  1. Die Verleugnung
  2. Der Zorn
  3. Das Verhandeln
  4. Die Depression
  5. Die Zustimmung (Annehmen)

Jeder benötigt unterschiedlich viel Zeit, diese Phasen zu durchleben. Deshalb kann und darf man in dieser Situation vorerst nicht von einer Krankheit sprechen, die entsprechend therapiert werden muss. Heilsam ist es in diesem Moment, den Trauerprozess zuzulassen.

Wenn solche Einschnitte und Krisen nicht angeschaut oder begleitet werden, weiss man aus der Psychologie und Trauerforschung, dass sie sehr wohl ins Burnout, zu psychischen Krankheiten oder gar klinischer Depression führen können.

Jede Krise macht etwas mit uns, sie stellt uns in Frage. Ein Weiterleben wie bisher wird es nicht mehr geben. Wir „brauchen“ manchmal den Schmerz, um uns durch ihn entfalten zu können. Deshalb ist die Not eine Entwicklungschance, die wir nutzen sollten. Das veranschaulicht auch diese wunderschöne Geschichte, deren Urheber leider unbekannt ist:

„Die Geburt des Schmetterlings“

Ein Wissenschaftler beobachtete einen Schmetterling und sah, wie sehr sich dieser abmühte, durch das enge Loch aus dem Kokon zu schlüpfen. Stundenlang kämpfte der Schmetterling, um sich daraus zu befreien. Da bekam der Wissenschaftler Mitleid mit dem Schmetterling, ging in die Küche, holte ein kleines Messer und weitete vorsichtig das Loch im Kokon, damit sich der Schmetterling leichter befreien konnte.

Der Schmetterling entschlüpfte sehr schnell und sehr leicht. Doch was der Mann dann sah, erschreckte ihn doch sehr.
Der Schmetterling der da entschlüpfte, war ein Krüppel.

Die Flügel waren ganz kurz und er konnte nur flattern, aber nicht richtig fliegen. Da ging der Wissenschaftler zu einem Freund, einem Biologen, und fragte diesen:

„Warum sind die Flügel so kurz und warum kann dieser Schmetterling nicht richtig fliegen?“

Der Biologe fragte ihn, was er denn gemacht hätte.
Da erzählte der Wissenschaftler, dass er dem Schmetterling geholfen hatte, leichter aus dem Kokon zu schlüpfen.
Das war das Schlimmste, was du tun konntest. Denn durch die enge Öffnung ist der Schmetterling gezwungen, sich hindurchzuquetschen. Erst dadurch werden seine Flügel aus dem Körper herausgequetscht, und wenn er dann ganz ausgeschlüpft ist, kann er fliegen. Weil du ihm geholfen hast und den Schmerz ersparen wolltest, hast du es ihm zwar kurzfristig erleichtert, aber langfristig zum Krüppel gemacht.